Risiko kennen
Sieben Risiken von Anleihen, jedes mit Schaubild. Lesezeit: etwa 6 Minuten.
Der Schuldner geht pleite
Eine Anleihe ist ein Kredit. Kann der Schuldner nicht mehr zahlen, bekommst du Zinsen und Rückzahlung nicht – oder nur einen Teil. Eine Einlagensicherung wie beim Sparbuch gibt es nicht.
Wie wahrscheinlich das ist, zeigt das Rating: AAA fällt praktisch nie aus, ab BB+ wird es spekulativ. Und: Setze nie alles auf einen Schuldner.
Wie viele von 1.000 Schuldnern fallen im Jahr aus?
Langjähriger Durchschnitt, Balken maßstabsgetreu. Unterhalb von BBB steigt das Risiko steil an.
Kurz gesagt: Die Anleihe ist so sicher wie ihr Schuldner. Das Rating sagt dir, wie sicher – und streuen schützt.
Lange Laufzeit: Der Kurs fällt – und du sitzt fest
Steigt das allgemeine Zinsniveau, fällt der Kurs deiner Anleihe. Das trifft vor allem Langläufer – Anleihen mit 10, 30 oder 100 Jahren Laufzeit. Bei kurzen Laufzeiten fällt der Kurs kaum, und das Geld kommt bald zurück.
Beim Langläufer kannst du zwar immer verkaufen – aber nur mit Verlust. Wer den nicht will, muss halten: Jahrzehnte, mit dem alten, niedrigen Zins. Erst zur Fälligkeit gibt es 100 %.
Bund 0 % 2050 – Kurs seit 2019
Ein Langläufer: Wer 2019 gekauft hat, verkauft heute mit rund 60 % Verlust – oder wartet bis 2050 auf die 100 %. Eine Anleihe mit 2 Jahren Laufzeit hätte beim selben Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus nur wenige Prozent verloren.
Kurz gesagt: Kurze Laufzeit: kaum Kursrisiko. Lange Laufzeit: Der Markt bestimmt den Preis – jahrzehntelang, nicht du.
Der Zins ist fest, die Preise nicht
Deine Anleihe zahlt jedes Jahr denselben Betrag. Steigen die Preise schneller, kannst du dir davon immer weniger kaufen. Nach Inflation kann aus 3 % Zins ein Verlust werden.
Das trifft lange Laufzeiten am härtesten: Wer sich heute 2 % für 30 Jahre sichert, hat verloren, wenn die Inflation dauerhaft darüber liegt.
Was 10.000 € nach 10 Jahren noch kaufen
Der Zins muss erst die Inflation ausgleichen. Was übrig bleibt, ist dein echter Ertrag.
Kurz gesagt: Zähle den Zins nach Abzug der Inflation. Nur der Rest macht dich reicher.
Zinsen in Dollar, Ausgaben in Euro
Kaufst du eine Anleihe in US-Dollar, norwegischen Kronen oder türkischer Lira, kommen Zinsen und Rückzahlung in dieser Währung. Fällt sie gegenüber dem Euro, schrumpft dein Ertrag – auch wenn der Schuldner alles pünktlich zahlt. Steigt sie, gewinnst du zusätzlich.
Wechselkurse schwanken oft stärker, als der Zins hoch ist. Hohe Zinsen in Fremdwährung sind meist der Ausgleich für eine schwache Währung.
Dieselbe Anleihe, drei Wechselkurse
Anleihe mit 5 % Zins in US-Dollar, ein Jahr. Der Wechselkurs kann den Zins verdreifachen – oder auffressen.
Kurz gesagt: Fremdwährung ist eine zweite Wette. Der Zins ist fest, der Wechselkurs nicht.
Kein Käufer, wenn du verkaufen willst
Bundesanleihen werden täglich für Milliarden gehandelt. Kleine oder exotische Anleihen dagegen kaum. Dann liegt zwischen Kauf- und Verkaufskurs eine breite Spanne – und manchmal gibt es tagelang gar keinen Kurs.
Verkaufen musst du dann zu dem Preis, den der einzige Händler bietet. Deshalb: vor dem Kauf prüfen, wie eng die Anleihe gehandelt wird, und immer mit Limit ordern.
Geld-Brief-Spanne
Geld = was Käufer bieten, Brief = was Verkäufer verlangen. Die Spanne zahlst du beim Hin und Zurück.
Kurz gesagt: Eine Anleihe ist nur so viel wert, wie jemand dafür bietet. Bei kleinen Anleihen bietet oft niemand.
Der Schuldner zahlt früher zurück
Viele Unternehmensanleihen darf der Schuldner vorzeitig kündigen. Das tut er, wenn das allgemeine Zinsniveau gefallen ist – dann bekommst du dein Geld zurück, genau wenn du es nirgends mehr so gut anlegen kannst. Steigt das Zinsniveau, kündigt er nicht, und du sitzt auf dem alten Zins.
Nicht jede Kündigung schadet dir – welche harmlos sind, zeigt die Seite Kündbare Anleihen. Und auch ohne Kündigung gilt: Jede Zinszahlung und jede Rückzahlung musst du neu anlegen – zum Zins, der dann gerade gilt.
Der Schuldner hat die Wahl
Wie es auch kommt: Die gute Seite hat der Schuldner. Dafür gibt es bei kündbaren Anleihen etwas mehr Zins.
Kurz gesagt: Ein Kündigungsrecht ist ein Vorteil für den Schuldner. Achte auf das Feld „Kündigung“ im Steckbrief.
Wer im Pleitefall zuletzt drankommt
Nicht jede Anleihe ist gleich. Nachrang- und Hybridanleihen – oft von Banken und Versicherern – werden im Pleitefall erst bedient, wenn alle anderen Gläubiger ihr Geld haben. Meist bleibt dann nichts.
Bei Banken können die Aufseher solche Anleihen sogar ohne Pleite auf null setzen. Dafür gibt es mehr Zins – der Preis ist ein Aktienrisiko mit Anleihe-Etikett.
Reihenfolge im Pleitefall
Bei Banken können Aufseher Nachranganleihen sogar ohne Pleite auf null setzen („Bail-in“).
Kurz gesagt: Steht „Nachrang“, „Hybrid“ oder „AT1“ auf der Anleihe, trägst du fast das Risiko eines Aktionärs.
Diese Seite erklärt Risiken. Sie empfiehlt keine Anlage. Die Zahlen sind gerundet.
Datenquellen und Methodik
Ausfälle. Gewichteter Durchschnitt der Ein-Jahres-Ausfallquoten 1981–2024 für Unternehmen weltweit mit S&P-Rating: AAA 0,00 %, A 0,05 %, BBB 0,14 %, BB 0,56 %, B 2,93 %, CCC/C 26,12 % – hier umgerechnet auf 1.000 Schuldner und gerundet. Quelle: S&P Global Ratings, 2024 Annual Global Corporate Default And Rating Transition Study, 27.03.2025.
Kurs des Bund 0 % 2050 (DE0001102481): Wochenschlusskurse in Prozent des Nennwerts von August 2019 bis September 2026 aus den Daten der Langläufer-Seite (Deutsche Bundesbank, Kurse und Renditen der Bundesanleihen); erster Kurs 102,19 % (23.08.2019), letzter beim Erstellen des Schaubilds 40,52 % (24.09.2026), im Schaubild als „rund 40 %“ gerundet. Das Schaubild ist eine Momentaufnahme; den täglich aktualisierten Kurs zeigt die Langläufer-Seite.
Kaufkraft. 10.000 € geteilt durch (1 + Inflation)10. Wechselkurs-Schaubild: (1 + 5 %) × (1 ± 10 %) − 1, gerundet.