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Realzins seit 1970

Was eine Anleihe bringt, zählt erst nach Inflation. Hier die 10-jährige Bundesanleihe gegen die Teuerung seit 1970: was übrig blieb, was heute übrig bleibt – auch nach Steuern – und welche Inflation der Markt für die nächsten Jahre erwartet. Täglich aktualisiert.

Bund 10 Jahre3,63%Rendite, nominal · Stand 25.09.2026
Inflation2,9%Verbraucherpreise Deutschland, August 2026 gegen Vorjahr
Realzins heute+0,7PunkteZins minus Inflation · nach Abgeltungsteuer −0,2
Markterwartung2,3% Inflationpro Jahr bis 2033 im Euroraum, abgeleitet aus der inflationsindexierten Bundesanleihe

10-jährige Bundesanleihe und Verbraucherpreise · Jahreswerte · 1970 – 2026 · Stand: 25.09.2026

Zins und Inflation

Liegt die schwarze Linie über der orangen, ist das Geld schneller gewachsen als die Preise.

Bund 10 Jahre (Rendite) Inflation (Verbraucherpreise)

Realzins

Der Abstand beider Linien, in Prozentpunkten – was nach Inflation übrig blieb.

über null: Kaufkraft gewonnen unter null: Kaufkraft verloren

Bund 10 Jahre: Jahresdurchschnitt der Rendite; Inflation: Jahresteuerung des Verbraucherpreisindex (bis 1991 früheres Bundesgebiet); das laufende Jahr bis zum letzten veröffentlichten Monat. Realzins = Differenz beider Werte in Prozentpunkten.

Was der Realzins ist

Die Anleihe zahlt dir 3 % – aber wenn alles um 3 % teurer wird, kannst du dir am Ende genauso viel kaufen wie vorher. Realzins = Zins minus Inflation. Er sagt dir, ob dein Geld an Kaufkraft gewinnt oder verliert. Renditen – hier, in der Suche und bei deinem Broker – sind immer nominal, also vor Inflation.

Die Charts oben rechnen im Rückblick: Zins und Inflation desselben Jahres. Beim Kauf kennst du nur den Zins; die Inflation der kommenden Jahre musst du schätzen. Wer 2021 zu rund 0 % kaufte, bekam 2022 eine Inflation von 6,9 % – genau das ist das Inflationsrisiko.

10.000 € zu 3 % Zins – nach zehn Jahren

Zinsen jedes Jahr wieder angelegt, ohne Steuern. Die Formel: 10.000 € × (1,03 ÷ (1 + Inflation))10. Mit deinen Zahlen: Rechner.

Kurz gesagt: Nicht der Zins zählt, sondern der Abstand zur Inflation. 3 % Zins bei 1 % Inflation sind mehr wert als 6 % bei 5 %.

Vier Jahrzehnte im Plus, dann zwölf magere Jahre

Deutschland ist ein Sonderfall: Von 1970 bis 2011 gab es kein einziges Jahr mit negativem Realzins – selbst in den Ölkrisen der 1970er lag die Bundesanleihe über der Inflation, weil die Bundesbank den Leitzins früh anhob. Die 1980er waren das goldene Jahrzehnt der Sparer: im Schnitt 4,8 Punkte über der Inflation, 1986 sogar über 6.

Dann kippte es. Von 2012 bis 2023 lag der Realzins um null oder darunter (nur 2013 und 2014 knapp im Plus) – erst die Nullzinsjahre, in denen die Bundesanleihe kaum noch etwas brachte, dann der Inflationsschub: 2022 mit 6,9 % Inflation und gut 1 % Zins das schlechteste Jahr der Reihe, −5,8 Punkte. Seit 2024 ist der Realzins wieder positiv, wenn auch knapp.

Die Jahrzehnte im Schnitt

Jahr­zehntBund 10 J.Infla­tionReal­zins
1970er8,1 %4,9 %+3,2
1980er7,6 %2,9 %+4,8
1990er6,6 %2,5 %+4,1
2000er4,1 %1,6 %+2,6
2010er1,1 %1,3 %−0,3
2020erbis 20261,5 %3,3 %−1,8

Durchschnitt der Jahreswerte je Jahrzehnt, Realzins in Prozentpunkten. Über die ganze Reihe seit 1970: +2,3 Punkte.

Kurz gesagt: Ein hohes allgemeines Zinsniveau brachte in Deutschland fast immer auch einen hohen Realzins. Die Ausnahme sind die Jahre 2012 bis 2023 – und ob sie vorbei ist, entscheidet die Inflation, nicht der Zins.

Nach Steuern wird es enger

Der Staat besteuert den nominalen Zins, nicht den realen: Abgeltungsteuer 25 % plus Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 %, gegebenenfalls Kirchensteuer dazu. Von 3,63 % bleiben netto 2,67 % – die Inflation zieht aber vom vollen Betrag ab. Ein positiver Realzins vor Steuern kann so nach Steuern negativ werden.

Je höher die Inflation, desto schlimmer: Bei 6 % Zins und 5 % Inflation bleibt vor Steuern 1 Punkt, nach Steuern minus 0,6. Der Sparerpauschbetrag (1.000 € im Jahr, 2.000 € für Paare) stellt kleine Depots frei – bis rund 33.000 € bei 3 % Zins zahlst du keine Steuer.

Die Rechnung heute

Bund 10 Jahre, nominal3,63 %
Abgeltungsteuer + Soli (26,375 %)auf den vollen Zins, oberhalb des Pauschbetrags−0,96
InflationVerbraucherpreise gegen Vorjahr−2,90
Realzins nach Steuern−0,23

In Prozentpunkten pro Jahr; ohne Kirchensteuer. Unterhalb des Sparerpauschbetrags entfällt die Steuerzeile.

Kurz gesagt: Nominal × 0,74 minus Inflation – das ist der Realzins nach Steuern. Bei 2,9 % Inflation braucht es 3,94 % Zins, nur um gleichzuziehen. Und: Freistellungsauftrag stellen, damit der Pauschbetrag wirkt.

Was der Markt an Inflation erwartet

Der Bund hat Anleihen ausgegeben, deren Rückzahlung und Zinsen mit der Inflation im Euroraum wachsen (harmonisierter Verbraucherpreisindex ohne Tabak). Ihre Rendite ist ein echter Realzins – sie kommt zur Inflation obendrauf, egal wie hoch diese ausfällt. Der Abstand zur normalen Bundesanleihe gleicher Laufzeit heißt Breakeven-Inflation: die Inflationsrate, bei der beide gleich viel bringen. Sie ist die Inflationserwartung des Markts.

Liegt die Inflation bis zur Fälligkeit im Schnitt höher als der Breakeven, war die indexierte Anleihe die bessere Wahl; liegt sie darunter, die normale. Seit 2024 gibt der Bund keine neuen indexierten Anleihen mehr aus; die drei laufenden werden an der Börse weiter gehandelt.

Inflationsindexierte Bundesanleihen

FälligReal­renditeBund nominalBreak­even
2030Kupon 0,50 %1,00 %3,34 %2,34 %
2033Kupon 0,10 %1,20 %3,46 %2,26 %
2046Kupon 0,10 %1,56 %3,86 %2,30 %

Realrendite laut Bundesbank, nominale Bundrendite gleicher Restlaufzeit aus der Zinsstrukturkurve; der Breakeven ist die Differenz – von uns berechnet. Er misst die Inflation im Euroraum, die Kachel „Inflation“ oben Deutschland – meist nah beieinander, aber nicht gleich. Die drei Papiere in der Suche: inflationsindexierte Bundesanleihen →

Kurz gesagt: Der Breakeven ist die Wette, die du mit jeder normalen Anleihe eingehst: dass die Inflation darunter bleibt. Wie die indexierte Anleihe funktioniert: Anleihe-Arten.

Datenquellen und Methodik

Methodik. Realzins = Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe minus Inflationsrate, in Prozentpunkten (die einfache Differenz; exakt wäre (1 + Zins) / (1 + Inflation) − 1, der Unterschied liegt bei diesen Größen unter 0,2 Punkten). Jahreswerte: Jahresdurchschnitt der Rendite und Jahresteuerung des Verbraucherpreisindex; Monatswerte: Monatsdurchschnitt der Rendite und Veränderung des Index gegen den Vorjahresmonat. Das laufende Jahr reicht bis zum letzten veröffentlichten Monat, seine Inflation ist der Durchschnitt der bisherigen Monatsraten. Realzins nach Steuern = Zins × (1 − 0,26375) − Inflation. Breakeven = nominale Bundrendite gleicher Restlaufzeit (Zinsstrukturkurve, linear zwischen den Stützstellen) minus Realrendite der indexierten Anleihe – von uns berechnet, alles andere so von den Quellen geliefert.

Datenquellen. Rendite: OECD, Main Economic Indicators, „Long-term interest rates“ Deutschland, Monatsdurchschnitte seit 1970 (Datenlieferant der OECD ist die Bundesbank; dieselbe Monatsreihe wie auf Staatsanleihen seit 1970); Tageswert und laufender Monat: Deutsche Bundesbank, aus der Zinsstruktur abgeleitete Rendite einer 10-jährigen Bundesanleihe mit jährlichem Kupon – derselbe Tageswert wie auf Staatsanleihen seit 1970. Die Inflationserwartung rechnet mit der Svensson-Kurve, weil sie die nominale Rendite für jede Restlaufzeit braucht. Inflation: Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts – ab 1991 Deutschland (2020 = 100, über die Bundesbank-Datenbank), 1970 bis 1991 Preisindex für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte, früheres Bundesgebiet (Destatis, „Verbraucherpreisindex – Lange Reihen ab 1948“); der Index vor 1992 ist auf eine Nachkommastelle gerundet, deshalb wirken die Monatsraten dort gestuft. Inflationserwartung: Realrenditen der inflationsindexierten Bundesanleihen 2030, 2033 und 2046 laut Bundesbank (indexiert auf den harmonisierten Verbraucherpreisindex des Euroraums ohne Tabak) (Kurse und Renditen börsennotierter Bundeswertpapiere); Einstellung der Neuemission laut Finanzagentur (November 2023). Aktualisierung täglich um 10 Uhr; Renditen vom Vortag, Verbraucherpreise nach Veröffentlichung des Monats.

Diese Seite erklärt und zeigt Daten; sie empfiehlt keine Anlage und ersetzt keine Steuerberatung. Keine Anlageberatung.

Daten-Stand: 25.09.2026