Drei Fragen sortieren alle Anleihen: Wer leiht sich das Geld?Wie wird verzinst? Und: Wie kommt das Geld zurück? Dreizehn Arten, jede mit dem passenden Filter in der Suche. Lesezeit: etwa 7 Minuten.
1 · Wer leiht sich das Geld?
Der Schuldner bestimmt die Sicherheit – und damit, wie viel Zins es gibt.
Staatsanleihe
Ein Zentralstaat leiht sich Geld: Deutschland, die USA, Italien. Bundesanleihen sind der Maßstab, an dem sich alle anderen messen.
Zins
fest, meist einmal im Jahr
Für wen
Parken, auf ein Datum sparen, Zins sichern – die Basis für fast jedes Ziel
Risiko
Bei AAA/AA praktisch nur die Kursschwankung mit dem Zinsniveau; bei schwächeren Staaten (BBB und darunter) auch der Ausfall
Eine Bank leiht sich Geld – und hinterlegt dafür Immobilienkredite oder Kredite an Staaten als Sicherheit. Geht die Bank pleite, gehört diese Deckungsmasse den Pfandbrief-Gläubigern. Seit über 100 Jahren ohne Ausfall.
Zins
fest, jährlich
Für wen
Fast so sicher wie der Staat, ein bisschen mehr Zins – das Bankrisiko fängt die Deckungsmasse weitgehend auf
Risiko
Sehr gering; Nachteil: viele Pfandbriefe haben 100.000 € Stückelung
Ein Konzern leiht sich Geld: Mercedes-Benz, Siemens, Nestlé. Mehr Zins als der Staat – weil ein Unternehmen eher in Schieflage gerät. Ab BB+ heißt es „Hochzins“.
Zins
fest, jährlich; Stückelung 1.000 € oder 100.000 €
Für wen
Zinseinkommen mit etwas mehr Ertrag, auf mehrere Schuldner verteilt
Risiko
Ausfall des Unternehmens – das Rating zeigt, wie wahrscheinlich; in Krisen fallen die Kurse stärker
Meist Banken und Versicherer. Im Pleitefall werden diese Anleihen erst bedient, wenn alle anderen Gläubiger ihr Geld haben – bei Banken können Aufseher sie sogar ohne Pleite auf null setzen. Dafür deutlich mehr Zins.
Zins
fest oder variabel, oft mit Kündigungsrecht des Schuldners
Für wen
Nur für Profis, die das Aktienrisiko dahinter verstehen
Risiko
Hoch: Totalverlust möglich (Credit Suisse 2023), lange oder ewige Laufzeit
Eine Unternehmensanleihe mit Extra: Du darfst sie zu einem festgelegten Kurs in Aktien des Unternehmens tauschen. Steigt die Aktie, machst du mit; fällt sie, behältst du die Anleihe. Der Zins ist dafür niedrig.
Zins
fest, niedriger als bei normalen Anleihen
Für wen
Wer Aktienchancen mit einem Boden will – eher über einen Fonds
Risiko
Wie Unternehmensanleihe plus Aktienschwankung; meist 100.000 € Stückelung, selten an deutschen Börsen für Privatanleger
Dieselbe Frage, fünf Antworten – von „steht fest“ bis „hängt an der Inflation“.
Variabler Zins (Floater)
Der Kupon steht nicht fest. Er wird alle drei Monate neu berechnet: Referenzzins + fester Aufschlag. Der Referenzzins ist meist der 3-Monats-Euribor – der Zins, zu dem sich Banken im Euroraum untereinander Geld leihen; er wird täglich veröffentlicht und folgt dem allgemeinen Zinsniveau. Der Aufschlag ist der Preis für die Bonität des Schuldners und ändert sich nie.
Steigt das allgemeine Zinsniveau, steigt dein Kupon im nächsten Quartal mit. Fällt es, fällt der Kupon. Weil sich der Zins immer wieder anpasst, bleibt der Kurs nahe 100 % – das Zinsänderungsrisiko ist fast weg. Dafür weißt du nie im Voraus, was du bekommst, und kannst dir keinen Zins sichern.
Zins
Euribor + Aufschlag, alle 3 Monate neu, Zahlung meist vierteljährlich; manche mit Untergrenze (Floor) oder Obergrenze (Cap)
Für wen
Wer ein steigendes Zinsniveau erwartet oder Kursschwankungen vermeiden will – Geld parken, ohne sich festzulegen
Risiko
Fällt das Zinsniveau, sinkt dein Ertrag; die Bonität des Schuldners bleibt wie bei jeder Anleihe; viele Floater stammen von Banken
Ein Jahr, vier Quartale: Floater gegen festen Kupon
Der Kupon eines Quartals richtet sich nach dem Euribor zu Quartalsbeginn. So folgt der Floater dem allgemeinen Zinsniveau – nach oben wie nach unten. Sein Kurs bleibt dabei nahe 100 %.
Fester Zins
Der Normalfall: Der Kupon steht bei Ausgabe fest und ändert sich bis zur Fälligkeit nicht. Du kennst jede Zahlung im Voraus – deshalb kannst du dir mit einer langen Laufzeit den heutigen Zins sichern.
Zins
fester Prozentsatz vom Nennwert, meist einmal im Jahr
Für wen
Fast jeden – planbar wie ein Sparbrief, aber jederzeit verkäuflich
Risiko
Der Kurs schwankt mit dem allgemeinen Zinsniveau; wer bis zum Ende hält, merkt davon nichts
Nennwert und Zins wachsen mit den Verbraucherpreisen. Steigt die Inflation, bekommst du mehr Zinsen und am Ende mehr als 100 % zurück. Der Kupon ist dafür niedrig – du kaufst einen Realzins.
Zins
niedriger fester Kupon auf einen Nennwert, der mit der Inflation steigt
Für wen
Wer Kaufkraft sichern will, besonders über lange Zeit
Risiko
Bleibt die Inflation niedrig, gibt es wenig; der Kurs schwankt mit dem realen Zinsniveau
Der Kupon steigt nach einem festen Plan: erst 2 %, dann 2,5 %, dann 3 %. Meist von Banken, fast immer mit Kündigungsrecht der Bank – sie zahlt vorzeitig zurück, wenn ihr die Stufen zu teuer werden.
Zins
fest, aber steigend nach Plan („Step-up“)
Für wen
Wer eine Bank als Schuldner akzeptiert und mit Kündigung leben kann
Risiko
Kündigung, wenn das Zinsniveau fällt (dann fehlt dir der hohe Zins); Bankbonität; keine Einlagensicherung
Wann und in welcher Währung – zwei Vereinbarungen, die den Ertrag verändern, ohne am Kupon zu drehen.
Kündbare Anleihe
Der Schuldner darf sie vorzeitig zu 100 % zurückzahlen – meist ab einem festen Datum. Er tut es, wenn das allgemeine Zinsniveau gefallen ist und er sich billiger neu verschulden kann. Dafür zahlt er etwas mehr Zins.
Zins
fest, meist etwas höher als ohne Kündigungsrecht
Für wen
Wer den Aufschlag mitnimmt und damit leben kann, das Geld früher zurückzubekommen
Risiko
Kündigung, wenn du den hohen Zins am liebsten behalten würdest; keine Kündigung, wenn das Zinsniveau steigt