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Mehr aus Anleihen herausholen

Du kennst die Grundlagen. Hier kommen die sieben Dinge, die den Unterschied machen: Zinskurve, Duration, Spreads, Kleingedrucktes, Leiter, Währung und Handel. Mit Schaubildern. Lesezeit: etwa 9 Minuten.

Die Zinskurve lesen

Ein Schuldner zahlt nicht einen Zins, sondern einen je Laufzeit. Diese Reihe heißt Zinskurve. Normal steigt sie: Wer länger bindet, bekommt mehr. Flach heißt: Der Markt erwartet wenig Bewegung – lange Bindung lohnt kaum. Invers heißt: Kurz bringt mehr als lang – der Markt erwartet ein sinkendes allgemeines Zinsniveau, oft vor einer Rezession.

Die Kurve sagt dir, welche Laufzeit sich lohnt: Bei steiler Kurve wird lange Laufzeit belohnt, bei flacher nicht. Bei inverser Kurve kassierst du kurz den hohen Zins – musst aber bald neu anlegen – womöglich, wenn das allgemeine Zinsniveau schon gesunken ist. Wie steil die Kurve gerade ist und wie sie seit 1972 aussah, zeigt die Seite Zinskurve seit 1972.

Drei Formen der Zinskurve

Drei Zinskurven über Laufzeiten von 1 bis 30 Jahren: normal steigend, flach und invers fallend. 4 %3 %2 % normal flach invers 1 J.2 J.5 J.10 J.30 J. ↑ Rendite in % Restlaufzeit → Drei Zinskurven über Laufzeiten von 1 bis 30 Jahren: normal steigend, flach und invers fallend.4 %3 %2 %normalflachinvers1 J.2 J.5 J.10 J.30 J.↑ Rendite in %Restlaufzeit →

Jede Kurve zeigt die Rendite eines Schuldners für verschiedene Restlaufzeiten. Bund heute: 2 Jahre 3,28 % · 10 Jahre 3,63 % – Abstand +0,35 Prozentpunkte, die Kurve ist normal.

Staatsanleihen nach Laufzeit ansehen →

Kurz gesagt: Steil: lang lohnt sich. Flach: kurz bleiben. Invers: Vorsicht, Wende voraus.

Duration ist dein Zeithorizont

Die Duration sagt, wie stark der Kurs auf das allgemeine Zinsniveau reagiert – das kennst du. Der fortgeschrittene Teil: Die Duration ist auch die Zeit, nach der ein Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus dir nichts mehr ausmacht.

Steigt das allgemeine Zinsniveau, fällt der Kurs sofort. Aber ab jetzt legst du Kupons und Rückzahlungen zum höheren Zinsniveau an. Nach etwa so vielen Jahren, wie die Duration beträgt, hat der höhere Zins den Kursverlust aufgeholt. Danach bist du besser dran als ohne den Anstieg des Zinsniveaus.

Die Regel: Anlagehorizont länger als die Duration – dann kann ein steigendes Zinsniveau dir unterm Strich nichts anhaben.

Zinsniveau steigt: erst Verlust, dann Vorsprung

Wert einer Anlage von 100 über acht Jahre. Ohne Anstieg des Zinsniveaus wächst er mit drei Prozent gleichmäßig. Nach einem Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus um einen Prozentpunkt fällt er zuerst auf 95, wächst dann aber mit vier Prozent und holt die andere Linie nach fünf Jahren – der Duration – wieder ein. 100110120130 Duration: 5 Jahre – ab hier bist du vorn Zinsniveau +1 Punkt: erst −5 % 4 % 3 % 02468 ↑ Wert (Kauf = 100) Jahre nach dem Kauf → Wert einer Anlage von 100 über acht Jahre. Ohne Anstieg des Zinsniveaus wächst er mit drei Prozent gleichmäßig. Nach einem Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus um einen Prozentpunkt fällt er zuerst auf 95, wächst dann aber mit vier Prozent und holt die andere Linie nach fünf Jahren – der Duration – wieder ein.↑ Wert (Kauf = 100)Duration: 5 Jahreab hier bist du vorn1001101201304 %3 %Zinsniveau +1 Punkt: erst −5 %02468Jahre nach dem Kauf →

Schematisch: Die Kupons werden zum jeweiligen Zins wieder angelegt.

Was die Langläufer zeigen →

Kurz gesagt: Horizont länger als die Duration – dann ist ein steigendes Zinsniveau dein Freund.

Spreads: Wofür du bezahlt wirst

Jede Rendite hat zwei Teile: den sicheren Zins (Bundesanleihe gleicher Laufzeit) und den Aufschlag für das Risiko des Schuldners – den Spread. Nur der Aufschlag ist dein Lohn fürs Risiko. Das Wort hat noch eine zweite Bedeutung – die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs beim Handel; die kommt in Schritt 7.

Der Aufschlag lebt: In ruhigen Zeiten ist er klein, in Krisen springt er hoch – nicht, weil alle Firmen plötzlich pleitegehen, sondern weil alle Angst haben. Genau dann sind die Aufschläge am größten und die Chancen auch. Ist der Aufschlag klein, wirst du fürs Risiko kaum bezahlt.

Rendite = sicherer Zins + Aufschlag (angenommene Werte)

So schwankte der Aufschlag für BBB-Unternehmen in Euro (schematisch)

Der Aufschlag lag in ruhigen Jahren um einen Prozentpunkt, sprang 2008 auf über fünf, 2011 und 2020 auf rund drei und fiel danach wieder. 0531 2008201120202022 20052026 ↑ Aufschlag über Bund in Prozentpunkten Jahr → Der Aufschlag lag in ruhigen Jahren um einen Prozentpunkt, sprang 2008 auf über fünf, 2011 und 2020 auf rund drei und fiel danach wieder.↑ Aufschlag über Bund in Prozentpunkten0135200820112020202220052026Jahr →Unternehmensanleihen nach Bonität →

Kurz gesagt: Schau auf den Aufschlag, nicht auf die Rendite. Groß = gut bezahlt. Klein = teuer.

Das Kleingedruckte

Hinter einem hohen Kupon steckt oft ein Haken in den Bedingungen. Die fünf Merkmale, die du kennen musst, bevor du „mehr Zins“ kaufst: kündbar, nachrangig, variabel, ewig, wandelbar.

Am häufigsten übersehen: das Kündigungsrecht. Der Schuldner zahlt vorzeitig zurück, wenn es sich für ihn lohnt – also genau dann, wenn du den hohen Kupon gern behalten hättest. Rechne deshalb immer mit dem schlechteren Fall (Rendite bis zur Kündigung).

Fünf Merkmale, die alles ändern

MerkmalWas es bedeutetWorauf du achtest
Kündbar (Call)Der Schuldner darf vorzeitig zu 100 % zurückzahlen – und tut es, wenn das allgemeine Zinsniveau gefallen ist.Rechne mit dem Kündigungstermin, nicht mit der Fälligkeit – wenn du über 100 kaufst. Kündigungsarten →
NachrangigBei einer Pleite wirst du erst nach allen anderen Gläubigern bedient.Mehr Zins, aber im Ernstfall oft Totalverlust.
Variabel (Floater)Der Kupon folgt einem Referenzzins wie dem Euribor.Schützt vor einem steigenden Zinsniveau – bringt bei fallendem weniger.
Ewig (Perpetual)Keine Fälligkeit. Nur der Schuldner kann kündigen.Verhält sich wie ein sehr langer Langläufer.
WandelbarKann in Aktien getauscht werden.Halb Anleihe, halb Aktie – Kurs hängt an der Aktie.
Glossar: Begriffe kurz erklärt →

Kurz gesagt: Hoher Kupon plus Kündigungsrecht: Rechne mit dem schlechteren Fall.

Leiter und Hantel: Das Depot bauen

Statt alles in eine Laufzeit zu stecken, verteilen Profis auf mehrere. Die einfachste Form ist die Anleihenleiter: fünf Anleihen, fällig in 1, 2, 3, 4 und 5 Jahren. Jedes Jahr wird eine fällig – das Geld ist verfügbar oder wird für fünf Jahre neu angelegt.

Der Effekt: Du musst das allgemeine Zinsniveau nicht vorhersagen. Steigt es, legst du jedes Jahr ein Fünftel teurer an. Fällt es, laufen vier Fünftel zum alten Zins weiter. Und du hast jedes Jahr Liquidität.

Die Anleihenleiter

Hantel statt Leiter: nur ganz kurz (1–2 Jahre, jederzeit verfügbar) und ganz lang (15+ Jahre, hoher Zinshebel) – nichts dazwischen. Chancenreicher, aber schwankungsanfälliger.

Staatsanleihen in Euro in der Suche →

Kurz gesagt: Fünf Laufzeiten statt einer – du musst das Zinsniveau nicht vorhersagen.

Fremdwährung: Der Zins ist kein Geschenk

US-Anleihen bringen oft deutlich mehr Zins als Bundesanleihen. Der Haken: Der Mehrzins ist der Preis für das Währungsrisiko. Sicherst du den Dollar ab, kostet das ungefähr den Unterschied der kurzfristigen Zinsen beider Währungen – übrig bleibt ungefähr die Euro-Rendite.

Ohne Absicherung kaufst du nicht in erster Linie eine Anleihe, sondern eine Wette auf den Dollar. Die Währung schwankt oft um 10 % im Jahr – mehr als die Anleihe je bringen kann.

Warum der US-Zins nicht bei dir ankommt

Angenommene Werte. Ohne Absicherung bleiben die 5,0 % – aber der Dollar schwankt oft um 10 % im Jahr. Dann entscheidet die Währung über Gewinn oder Verlust, nicht die Anleihe.

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Kurz gesagt: Fremdwährung abgesichert bringt kaum etwas extra. Unabgesichert ist es eine Währungswette.

Handel: Wo Rendite verloren geht

Bei Anleihen wird nicht im Depot verdient, sondern beim Kauf. Die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs ist die stille Gebühr – bei großen Staatsanleihen winzig, bei kleinen Unternehmensanleihen schnell ein Prozent und mehr.

Ein Prozent klingt wenig. Bei einer Anleihe mit 3 % Zins ist es ein Drittel des Jahresertrags – weg, bevor du den ersten Kupon siehst. Vier Regeln halten die Kosten klein.

Die Spanne: Geld- und Briefkurs

  • Immer mit LimitSonst zahlst du den Kurs, den der Händler gerade stellt.
  • Große, liquide AnleihenVolumen über 1 Mrd. € heißt enge Spannen – Nischenpapiere kosten mehr.
  • Zur HandelszeitVormittags, wenn die Referenzmärkte offen sind, sind die Spannen enger.
  • Gebühren vergleichen10 € Gebühr auf 2.000 € sind 0,5 % – so viel wie ein halbes Jahr Zins bei 1 %.

Kurz gesagt: Limit setzen, liquide Papiere, enge Spannen – so bleibt die Rendite bei dir.

Diese Seite erklärt Zusammenhänge; sie empfiehlt keine Anlage. Die Zahlen sind gerundet, der Aufschlag-Verlauf ist schematisch.

Datenquellen und Methodik

Bund heute. Renditen der Bundesanleihen mit 2 und 10 Jahren Restlaufzeit: Deutsche Bundesbank, Zinsstrukturkurve am Rentenmarkt (Svensson-Methode), börsentäglich und automatisch aktualisiert – dieselben Daten wie auf der Seite Zinskurve seit 1972. Einordnung des Abstands wie dort: unter 0 invers, unter 0,3 Prozentpunkten flach, bis 1 Prozentpunkt normal, darüber steil.

Schaubilder. Die drei Kurvenformen, der Duration-Verlauf, die Zerlegung der Rendite und das Währungsbeispiel sind schematisch mit angenommenen Werten. Der Verlauf des Aufschlags für BBB-Unternehmensanleihen in Euro ist ebenfalls schematisch; die echte Zeitreihe zeigt die Seite Risikoaufschläge seit 1953. Absicherungskosten einer Währung richten sich nach dem Unterschied der kurzfristigen Zinsen (Terminaufschlag), nicht nach dem Unterschied der Anleiherenditen.

Daten-Stand: Renditen 25.09.2026